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Abenteuer auf den Åland-Inseln

Abenteuer auf den Åland-Inseln

von Dr. Florian Huber

Weit oben im Norden, zwischen Finnland und Schweden, liegen die Åland-Inseln. Ende Mai machte sich ein Teil des Kieler Submaris-Teams auf den Weg dorthin, um eine weitere spannende Episode für Deutschlands bekannteste Dokumentationsreihe „Terra X“ zum Thema „Unterwasserarchäologie“ zu drehen.

 

Seit etwa 800 vor Christus ist der finnische Archipel in der nördlichen Ostsee ein stark befahrener Handelsweg. Über 6.500 kleine Inseln und Schären ragen aus dem salzarmen Binnenmeer empor. In den vergangenen Jahrhunderten wurden diese für zig Tausend Schiffe zum Verhängnis. Zahlreiche Reisen fanden an den rauen Felsen ein jähes Ende. Und so liegen rund um die Åland-Inseln vermutlich mehr Schiffswracks auf dem Meeresboden als an irgendeinem anderen Ort in der Ostsee.

 

Wir hatten es bei unserem Abstecher in den hohen Norden auf die Geschichte eines ganz bestimmten Wracks abgesehen: auf die der PLUS. Sie gehörte zu den bekannten Flying P-Linern oder kurz: P-Linern. So nannten Seeleute in der Zeit der Windjammer (ein bestimmter Großseglertyp) hochachtungsvoll die Segelschiffe der Hamburger Reederei F. Laeisz. Die Schiffe, deren Namen alle mit P begannen, waren für ihre Geschwindigkeit und ihre Sicherheit berühmt. Sie wurden in den Reedereifarben Schwarz (Rumpf über der Wasserlinie), Weiß (Wasserlinie) und Rot (Unterwasserschiff) gestrichen.

 

Am 18. November 1885 lieferte die Hamburger Werft „Blohm & Voss“ die Dreimastbark PLUS an Laeisz aus. Sie war das letzte eiserne Segelschiff in der großen Fahrt, bevor man zur Stahlbauweise überging; 69,1 Meter lang und 10,9 Meter breit. Unter sechs Kapitänen war sie mehrfach unterwegs nach Chile sowie auf Einzelreisen in die Südstaaten der USA, nach Ecuador und Wladiwostok (Russland). In den Jahren 1898/99 gelang dabei eine Überfahrt in Rekordzeit: von Lizard (England) nach Wladiwostok in nur 125 Tagen.

 

Am 13. Dezember 1933 war die Bark, mittlerweile im Besitz des finnischen Reeders Hugo Lundqvist, von London nach Mariehamn/Åland unterwegs. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichte, lief sie im Sturm auf Felsen auf und sank. Elf Menschen kamen dabei ums Leben; vier konnten sich retten und schwammen an Land.

 

Das Wrack liegt heute in einer Tiefe von 17 bis 32 Metern und ist erstaunlich gut erhalten. Unter anderem ist der geringe Salzgehalt der Ostsee dafür verantwortlich, denn: Der Schiffsbohrwurm Teredo navalis, der Holz frisst, kann dort nicht überleben. Zudem ist das Wasser sauerstoffarm, kalt und dunkel. Das alles trägt dazu bei, dass Wracks weltweit nirgendwo so gut erhalten bleiben wie in der Ostsee.

© Robert Marc Lehmann

Und so tauchten wir bei gerade einmal 3 Grad Wassertemperatur in die dunkle Ostsee ab. Dabei galt es, so viel Licht wie möglich mit nach unten zu nehmen, um die PLUS bestmöglich auszuleuchten. Zum ersten Mal dabei im Einsatz: die neuen Mares-Videolampen DCTV, die dem gesamten Team beste Dienste leisteten. Sie sind hell, robust und dimmbar und bringen damit genau das mit, was wir von einer professionellen Videolampe erwarten. Und so hatten wir die Möglichkeit, die Schönheit des Wracks, sein Detailreichtum, aber auch die bizarre Stimmung am Grund des Meeres für den Zuschauer einzufangen.

Vier Mal tauchten Robert, Christian und ich hinab zur PLUS, filmten, beleuchteten, nahmen Wasserproben und brachten einen Logger zur Bestimmung des Salzgehalts an. Und am Ende hatten wir sogar noch Zeit für ein paar Erinnerungsfotos.

 

Den nächsten Tag verbrachten wir dann komplett über Wasser: auf der POMMERN, die in Mariehamn als Museumsschiff im Hafen liegt. Auch sie war Teil der Flying P-Liner. Am Steuerstand, im Laderaum und in der Kabine des Kapitäns werde ich dem Zuschauer als Experte für Unterwasserarchäologie in der Sendung dann Einblicke in meine Arbeit und in die damalige Zeit geben.

 

© Robert Marc Lehmann

Zu sehen gibt’s das Ganze voraussichtlich Mitte 2019. Ihr dürft gespannt sein. Wir halten Euch auf dem Laufenden…

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