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Arktisches Meereis: Negativrekord im Februar

Arktisches Meereis: Negativrekord im Februar

Das arktische Meereis schwindet weiter: Seit Satelliten in den 1970er Jahren die weiße Kappe über dem Nordpolarmeer im Blick haben, war die Fläche in keinem einzigen Februar so klein wie in diesem Jahr. Grund dafür sind Warmlufteinbrüche, die nicht nur häufiger in die Arktis kommen, sondern auch stärker werden und weiter nach Norden vordringen

AWI-EM-Bird

Der AWI-EM-Bird während eines Meereisdicken-Messfluges über arktischem Meereis, Foto: © NADIR/Stefan Hendricks, Alfred-Wegener-Institut

Als weite Teile Europas im Februar in eisiger Polarluft bibberten, wärmten im Gegenzug milde Winde aus dem Süden die Arktis und bescherten dem Norden Grönlands mitten in der Polarnacht Temperaturen von plus sechs Grad Celsius. Solche in diesen Breiten sommerlich erscheinenden Werte bei gleichzeitig sibirischer Kälte in Mitteleuropa sind Wettermuster, die mit dem Klimawandel verknüpft sind. Warme Luft bremst das Gefrieren von Wasser im Nordpolarmeer. Bildet sich weniger Eis, bleibt die Eisdecke im Winter kleiner als in anderen Jahren und der Ozean erwärmt sich schneller.

Im Februar 2018 registrierten Forscher am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) dann auch tatsächlich mit knapp 14 Millionen Quadratkilometern den niedrigsten Durchschnittswert für die Eisfläche im hohen Norden seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1978. „Allerdings nimmt die Eisbedeckung im Februar keineswegs von Jahr zu Jahr gleichmäßig ab, sondern schwankt erheblich“, erklärt der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut. Über längere Zeiträume ergibt sich jedoch ein klarer Trend – die Eisdecke auf dem Nordpolarmeer schrumpft im Monat Februar um durchschnittlich 2,75 Prozent pro Dekade.

Abendlichtstimmung in der zentralen Arktis

Abendlichtstimmung in der zentralen Arktis – hier scheint die Sonne durch Wolkenlücken auf arktisches Meereis, Foto: ©Stefan Hendricks/AWI

„Hinter dieser langfristigen Abnahme steckt eindeutig der Klimawandel“, so Nicolaus. Mit Konsequenzen für das Wetter der Nordhemisphäre: Steigen die Temperaturen und verkleinern sich die Eisflächen auf dem Nordpolarmeer, verändern die geringen Unterschiede im Luftdruck zwischen verschiedenen Gebieten den sogenannten Polarjet. Mit diesem Begriff bezeichnen Meteorologen einen Gürtel starker Winde, die mit Geschwindigkeiten von einigen Hundert Kilometern in der Stunde hoch oben in der Atmosphäre von West nach Ost um den Globus brausen. Allerdings bildet der Polarjet keinen perfekten Kreis, sondern kann riesige Schleifen bilden, besonders wenn sich der Temperaturunterschied zwischen dem Norden und dem Süden verringert. Vergrößern sich mit dem Klimawandel die Schwingungen des Polarjets, dringt mancherorts Warmluft viel weiter nach Norden als in normalen Zeiten und andernorts Kaltluft viel weiter nach Süden.

Um diese Änderungen besser zu verstehen, reicht es nicht, nur die Eisfläche der Arktis zu vermessen. Auch die Eisdicke spielt eine erhebliche Rolle, denn dünnes Eis bricht schneller und wird vom Wind leichter vertrieben oder zusammengedrückt. Deshalb messen die Forscher seit 2010 vor allem mit Hilfe des europäischen Satelliten „CryoSat-2“ auch die Dicke des Eises auf dem Nordpolarmeer. „Auch dabei zeichnet sich ein erster Trend zu durchschnittlich dünnerem Eis ab“, erklärt AWI-Forscher Marcel Nicolaus. Der Klimawandel lässt das Eis auf dem Nordpolarmeer also nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Masse schrumpfen. Ein Teufelskreis: Die Eisdecke wird empfindlicher und variabler. Das wiederum lässt die Temperaturen weiter steigen, weil offenes Wasser viel mehr Sonnenwärme auf der Erde hält als eine Eisdecke.

Infos: www.awi.de.

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