Blog

Besuch bei den Stadtwerken Eschwege

Besuch bei den Stadtwerken Eschwege

Am Montag waren Simon und ich bei den Stadtwerken Eschwege eingeladen. Die Stadtwerke Eschwege betreiben unter anderem zwei Wasserkraftwerke an der Werra. Die Kraftwerke müssen (ähnlich wie beim Atemregler) jährlich revisioniert werden. Zu diesem Zweck erfolgt eine Trockenlegung der Turbinen. Was sich hier so einfach liest, stellt in der Realität einen erheblichen logistischen wie personellen Aufwand dar.

Vor dem Einlauf in den Turbinenschacht muss ein Damm errichtet werden. Zu diesem Zweck haben die Stadtwerke Eschwege ein Team von Tauchern, das diese anspruchsvollen Arbeiten durchführt.

Im Bereich vor dem Einlauf sind mehrere Stahlträger auf ca. 3m Wassertiefe am Grund des Flusses verankert. Diese sind mit einem Scharnier am Boden befestigt und müssen zunächst von den Tauchern aufgerichtet werden. Die Werra fließt in diesem Bereich mit ca. 1-2m pro Sekunde, es herrscht eine kontinuierlich starke Strömung.

DSC_0160-2
Damit es die Taucher nicht wegtreibt, sind diese mit einer Sicherungsleine mit einem ausgebildeten Leinenführer verbunden. Die Sichtweite beträgt zwischen 0 und maximal 0,5m, daher sind die Taucher vorwiegend auf ihren Tastsinn angewiesen. Auch die Wassertemperaturen sind mit ca. 8-10° nicht unbedingt einladend, um mehrere Stunden darin zu verweilen. Zusammenfassend also alles andere als angenehme Tauchbedingungen. Der Schmutzeintrag in den Atemregler durch aufgewirbeltes Sediment ist teilweise so groß, dass bereits nach nur einem Taucheinsatz eine komplette Revision an der zweiten Stufe durchgeführt werden muss.

Beim Aufrichten der Stahlträger kam ein ca. 3m großer Baumstamm zu Tage, der vor dem Einlauf, am sogenannten Rechen, hängen geblieben ist.

DSC_0145

Sobald die Stahlträger aufgerichtet sind, werden zwischen die Träger nach und nach Dammtafeln von einem Boot aus eingesetzt. Die Taucher müssen immer wieder kontrollieren, ob die Tafeln korrekt aufeinander liegen. Dieser Vorgang dauert ca. 2-3 Stunden. Sobald alle Tafeln korrekt aufeinander liegen, werden diese von oben verschraubt und von außen mit einer Folie abgedichtet. Die starke Strömung erschwert auch dies erheblich.

DSC_0295

DSC_0317

Anschließend wird die Turbine auf der Auslassseite geöffnet und binnen weniger Minuten das Wasser abgelassen. Danach werden letzte Undichtigkeiten beseitigt.
Dabei konnte auch erfolgreich ein Aal evakuiert werden 🙂

DSC_0324

Die folgenden Bilder sind in dem Turbinenschacht aufgenommen. Dieser ist über einen Einstieg von oben zugänglich. Normalerweise rauschen hier ca. 30m³ Wasser pro Sekunde durch. Im ersten Bild ist die Turbine zu sehen, auf dem zweiten Bild der Rechen.
DSC_0338

DSC_0337
Das Tauchen bei diesen Bedingungen ist alles andere als einfach und erfordert sowohl taucherisches Können, als auch eine erhebliche psychische Belastbarkeit. Gerade im Bereich des Rechens kann sich alles sammeln, was in einem Fluss treiben kann. Den Tauchern der Stadtwerke sprechen wir unseren größten Respekt für die Leistung im Wasser aus.

Autor

Keine Kommentare zu “Besuch bei den Stadtwerken Eschwege

Hinterlasse eine Antwort

Deine Emailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*