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„Der Walschwimmer“ Gerald Nowak auf den Azoren

„Der Walschwimmer“ Gerald Nowak auf den Azoren

Ice Diving, opening a ice hole, lake baikal, Russia, Baikal TekEin perfekter Tag. Wir sind gerade auf dem Flughafen Horta auf der Azoreninsel Faial gelandet. Meine drei Mitstreiter, Michael, Klaus und Thomas sind genauso gut gelaunt wie ich. Der Blick auf den atlantischen Ozean, der hier nur wenige Meter unterhalb an die Felsen brandet, ist einer der Gründe für unsere gute Laune. Es ist fast windstill, nur kleine Wellen schwappen über die rauen Lavafelsen. Perfekt für unser Vorhaben.

Wir sind gekommen, um sechs Tage lang auf dem Meer nach den größten Lebewesen der Weltmeere Ausschau zu halten und sie vor die Kamera zu bekommen. Wir wollen die großen Bartenwale schnorchelnd erwischen. Kein leichtes Unterfangen, denn erstens sind die Tiere sehr scheu, es braucht erfahrene Walsucher und eine Sondergenehmigung des Azorean Governments.Wer ohne erwischt wird, zahlt eine hohe Geldstrafe. Wir haben diese Genehmigung vor langer Zeit eingeholt.

Auf dem Parkplatz wartet schon mein inzwischen guter Freund Norberto Serpa. Der Mann ist eine Legende hier auf den Azoren. Praktisch jeder, der mit dem Meer verbunden ist, kFin Whale - Azoresenn auch ihn. Er liebt das Meer und die Tiere darin. Wer ihn ansieht, sieht auch sein Leben auf dem Meer. Es spiegelt sich in seinem Gesicht und in seinem Wesen. Er bringt uns gleich zur Tauchbasis, um die kommenden Tage zu besprechen. „Ihr hab super Glück mit dem vorhergesagten Wetter, wie immer wenn Gerald mit dabei ist“, er grinst: „so viel Glück haben hier nicht alle, denn es regnet und stürmt oft“. „Ja, irgendwie scheine ich bisher immer das Wetterglück auf meiner Seite zu haben. Ich hoffe, es bleibt so“, lache ich zurück. Schnell sind alle wichtigen Fakten geklärt. Norberto bietet und seinen Truck, um den restlichen Tag zu nutzen und ein wenig die Insel zu erkunden. Was wir auch gleich ausnutzen und die gesamte Südküste bis zum Leuchtturmmuseum abfahren. Herrliches Wetter und tolle Fotomotive eingeschlossen.

Am nächsten Morgen geht es gleich um 7.30 Uhr los. Wir wollen den Tag nutzen und auf „Fotojagd“ gehen. Marco ist für heute unser Skispringender Buckelwal vor einem Segelschiffpper und fährt mit uns nach Norden zwischen die Inseln Faial, Pico und San Jorge. Hier hat heute Morgen der Späher an Land mit seinem Fernglas eine Gruppe Finnwale gesehen. Im Nu sind wir bei ihnen und verbringen den ganzen Vormittag damit, immer wieder vor den Tieren ins Wasser zu springen und in ihre Nähe zu kommen. Finnwale gehören zu den sehr schnell schwimmenden Tieren. Sie sind häufig mit 3-5 Knoten Reisegeschwindigkeit unterwegs. 6-9 Kilometer schnell mit Flossen zu schwimmen? Das geht nicht wirklich gut. Deshalb heißt es immer wieder reinspringen, den Tieren nahe zu kommen und zu hoffen, dass sie nicht vorher abdrehen oder in der Tiefe verschwinden. Nicht immer klappt es, aber so einige Begegnungen sind dann doch ganz schön atemberaubend nah. Gegen 14 Uhr zieht der Himmel zu und wir verlieren die Gruppe Wale. Nach einiger Zeit beschließen wir, für heute ist es genug.

Die folgenden Tage istspringender Delfine, gemeiner Delfin der Tagesablauf ähnlich. Wir kommen immer gegen 7.30 Uhr an die Basis, verstauen unsere Sachen und unser Skipper, der inzwischen Nuno heißt und zu den erfahrensten Walbeobachtungsexperten der Azoren gehört. Nuno ist kein Weg zu weit und hört er von einem der anderen Walbeobachtungsboote wo gerade Wale zu sehen sind (es gibt ganz viele davon, nur dürfen die Gäste der meisten Boote nicht ins Wasser. Beobachtungen vom Boot aus, sind ohne spezielle Genehmigung erlaubt und werden täglich angeboten). Wir sehen viele verschiedene Wale. Ein Buckelwal springt direkt vor unserem Boot aus dem Wasser, ein Seiwal schwimmt mit rekordverdächtiger Geschwindigkeit unter unserm Boot hindurch. Er schafft in der Spitze bis zu 25 Knoten, womit er der schnellste unter den großen Walen ist. Unser Freund schwimmt kontinuierlich mit 10 und mehr Knoten. Zu schnell für uns!

Pottwalgewöhnliche Delfine

Am vierten Tag entdecken wir eine Gruppe Pottwale. Klaus und Thomas sind an der Reihe. Es dürfen immer nur zwei Personen gleichzeitig ins Wasser. Diesmal sind es die beiden. Michael und ich sind ein wenig angespannt, liegen die Tiere doch super ruhig da. Auch sind es gleich drei Tiere, die dicht beieinander liegen und zu ruhen scheinen. Klaus ist als erster bei den Tieren, Thomas filmt aus dem Hintergrund. Ich kann es kaum glauben, Klaus ist so nah, dass er die Tiere fast berühren könnte. Erst jetzt bemerken die Tiere die beiden und im Nu sind sie in der Tiefe verschwunden. Pottwale sind lange Jahre hier auf den Azoren gejagt worden und vermutlich ist es immer noch in der Erinnerung der Wale, dass Menschen ihnen böses tun, denn anders ist es nicht zu erklären, warum sie so ängstlich einem Lebewesen gegenüber reagieren, dass nicht mal ein Zehntel so groß wie sie sind.

Der sechste Tag ist nicht unser Tag. Es stürmt. Die Wellen haben sich über Nacht bis auf über 3 Meter Höhe aufgetürmt. Wir nehmen mal wieder Norbertos Freitaucher mit FinwalTruck und erkunden die Insel. Sind wir doch bisher nur am ersten Tag ein wenig herum gekommen. Auch wenn Horta super nette kleine Lokale und Bars hat, wollen wir auch den Rest der Insel erkunden. Den Leuchtturm im Südwesten der Insel hatten wir ja schon am ersten Tag besucht, der gehört zu den Highlights, die jeder Besucher der Insel selbst gesehen haben sollte. Aber auch die Caldera, die fruchtbar, feuchte Hochebene und den Vulkankrater Faials sollte man besucht haben. Wir haben Glück, denn gerade in dem Moment, wo wir oben am Kraterrand stehen, reißt die Wolkendecke auf und gibt uns einen kurzen Einblick in die Tiefe des Katers. Wer hier Rauch und Feuer erwartet, wird enttäuscht. Dafür ein Meer an grünen Pflanzen; schöner könnte ein Vulkankrater kaum bewachsen sein. Ein weiteres Highlight ist der Besuch bei meinem alten Freund „Hansi“, er ist ein ausgewanderter Bayer, der hier vor Jahren mit seinem Kumpel das Restaurant „O Esconderijo“ im Norden Faials eröffnet hat. Heute haben meine drei Jungs die Gelegenheit, meine Schwärmerei über die Gerichte des Restaurants selbst zu beurteilen. Es ist bereits spät, als wir das Lokal verlassen und Michael meint nur: „das verzeih ich Dir nicht. Warum sind wir erst heute am vorletzten Abend hierhergekommen“? Klaus und Thomas nicken nur. Alle sind glücklich für heute Abend, aber einen Tag haben wir ja noch vor uns.

Der letzte Tag auf der Insel meint es wieder gut mit uns. Wer gestern die riesigen Wellen gesehen hat, kann es nicht glauben, aber die See ist wieder ruhig und wir bereits früh morgens draußen auf See. Der letzte Tag hat es in sich. Wir retten eine Babyschildkröte vor dem sicheren Tot. Seepocken haben sich ihren Panzer und einen Fuß als Lebensraum ausgesucht. Die Gute kann kaum noch schwimmen und Luft holen. Nuno befreit sie von ihren Peinigern und entlässt sie zurück in den atlantischen Ozean. Sie dürfte das Gefühl des Fliegens haben, so leichtfüßig schwimmt sie von dannen. Dafür begegnet uns ein riesiger Finnwal. Von weitem dachten wir schon einen Blauwal vor uns zu haben, aber leider ist uns dieses Vergnügen diesmal verwehrt geblieben. Michael, Klaus und Thomas sind sich einig: wir kommen wieder und suchen nach dem größten lebenden Tier auf unserm Planeten, dem Blauwal. Wenn Neptun und die Natur uns gnädig sind, werden wir ihn eines Tages begegnen.

Euer, Gerald Nowak

PS:
Danke an Norberto Serpa, seinem Team von Norberto Diver, Nuno, Pedro und Mara. Danke an das Goverment der Azoren für die neuerliche Genehmigung, um mit Walen zu arbeiten. Danke auch an Extratour Tauchreisen für die Organisation der Reise.
Alle Aufnahmen sind mit einer Nikon D800 im Subal UW-Gehäuse gemacht. Für die Aufnahmen der Wale verwende ich ein Nikon 17-35mm Zoom, ein Sigma 12-24mm Zoom oder das Sigma 15mm Fisheye. Blitzlicht ist bei der Arbeit mit Walen nicht erlaubt. Normalerweise arbeite ich mit Subtronic Blitzgeräten. Für Sicherheit unter Wasser sorgt Mares mit seinem Equipment. Sicher versichert ist meine Fotoausrüstung bei Fotofairsicherung.de

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