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Die „Aquapower Expedition“- ein Segelabenteuer mit Tiefgang

Die „Aquapower Expedition“- ein Segelabenteuer mit Tiefgang

Das Résumé von Dr. Frauke Bagusche

Die Atlantik-Überquerung mit der „Aquapower Expedition“ ist eine Erfahrung, die ich sicher niemals vergessen619A3764(1) werde. Um auf das immer größer werdende Problem der Meeresverschmutzung durch Plastik aufmerksam zu machen, wurde die „Aquapower Expedition“ durch den Profi Windsurfer Florian Jung ins Leben gerufen, der sich seinen Arbeitsplatz das Meer, mit mir, einer Meeresbiologin, teilt. Zusammen mit einer wechselnden 8-koepfigen Crew aus professionellen Windsurfern, einem Umweltexperten mit dem Schwerpunkt Plastikmüll, erfahrenen Skippern, Mediaexperten und Foto- und Kamerateam machten wir uns von der Karibik aus auf, den Atlantik zu überqueren, um so das Plastik-problem den Menschen mit Hilfe täglicher Updates, Bilder und wöchentlichen Videoclips näher zu bringen. Neben der Suche nach neuen Surfspots in den verschiedenen Destinationen, organisierten wir während der gesamten Reise Umweltaktionen wie „beach clean-ups“ um auf die immer größere werdende Vermüllung hinzuweisen. Zudem interviewten wir lokale Wissenschaftler für die Videoepisoden und die TV-Dokumentation, um mehr über deren Forschungsgebiete wie zum Bespiel Klimawandel und Meeresverschmutzung zu erfahren.

Nach_BO_3184 einer dreimonatigen, sehr intensiven Vorbereitungszeit, starteten wir unsere Expedition in Guadeloupe, wo wir in Kooperation mit der im Aquarium ansässigen „Ecole de lar Mer ein „beach clean-up“ mit Schulkindern organisierten, um diese für das Thema Meeresverschmutzung zu sensibilisieren. Leider war der negative Einfluss der Menschen nicht nur über Wasser, sondern auch unter Wasser deutlich zu sehen. Viele der Korallenriffe um Guadeloupe waren sehr geschädigt, hervorgerufen durch den Nährstoff- und Pestizideintrag von Land, sowie durch Überfischung. Dennoch konnten wir ein paar sehr schöne Schnorchel- und Tauchspots mit farbenfrohen Schwammpopulationen und Weichkorallen erkunden.

Von Guadeloupe aus ging es dann mit einem mit Surf-, Tauch- und wissenschaftlichem Eq_BO_8214uipment vollbepackten Katamaran zu den Jungferninseln, die wir nach einer dreitägigen Reise erreichten. Die Jungferninseln, welche zu den schönsten Segelrevieren der Welt zählen, bezaubern durch kristallklares Wasser und sattgrüne hüglige Inseln mit weißen Sandstränden, die sich wie Perlen im Meer aufreihen. Nachdem wir uns durch die sehr strengen und umständlichen Einreiseformalitäten gequält hatten, durfte ich endlich die Unterwasserwelt erkunden. Vom Boot aus konnte ich innerhalb von 15 Minuten fünf Meeresschildkröten zählen und das im Jahr 1867 gesunkene Schiff R.M.S. Rhone gehört zu den schönsten Wracks, an denen ich jemals tauchen durfte. Perfekte Sicht, kaum Strömung, knallbunte Schwämme, Weichkorallen, neugierige Langusten, Schwärme von Fischen und keine anderen Taucher weit und breit, werden mich diesen Tauchgang niemals vergessen lassen.

Von den Jungferninseln aus ging es dann weiter in Richtung Dominikanische Republik, die wir trotz einem Bran_BO_0056d in der Kombüse, drei Tage später sicher erreichten. Während unserer Zeit in der DR hatten wir eine Begegnung der dritten Art, als ein lokaler Mafiaboss die Jungs am Strand nach einer Surf Session mit einer geladenen Pistole bedrohte, da sie angeblich unerlaubt „seinen“ Strand betreten hatten. Glücklicherweise fand die Expedition dort kein abruptes Ende, da Boujmaa den Mann beruhigen konnte. Nebst vermüllten Stränden, die wir so gut wie möglich zu reinigen versuchten, konnten wir auch ein Korallenrestaurationsprojekt bewundern, das Michael von Northern Coast Diving zusammen mit einer Uni betreut.

Nach einer knappen _BO_9872Woche machten wir uns dann auf den Weg zu den 800 Seemeilen weit entfernten Bermudas. Regen, Gewitter und Sturmböen wechselten sich mit extremen Flauten in kurzen Abständen ab und ließen den Trip zu unserer ersten echten Herausforderung werden. Andauernde Seekrankheit, Wellen bis zu 4 Metern und große vorbeiziehende Saragassum Algenteppiche erschwerten die Probenentnahmen von Plastikpartikeln mit Hilfe eines Planktonnetzes für mich zusätzlich. Sternenklare Nächte mit spektakulären Meteorschauern, fliegende Fische und mit uns um die Wette schwimmende Delphine entschädigten uns jedoch ausreichend für die zeitweise sehr anstrengende Zeit.

Nach sechs Tagen voller Gegensätze entflohen wir einem Sturm von bis zu 45 Knoten und erreichten die Bermudas; sehr müde aber glückli_BO_3263ch endlich wieder Land unter den Füßen zu haben. Türkisblaues Wasser, grüne hüglige Inseln und herzliche, hilfsbereite Menschen, die karibische Leichtigkeit mit britischer Höflichkeit perfekt zu vereinen wissen, bezauberten uns vom ersten Moment an. Trotz einer nicht enden wollenden „To-do-Liste“, die von Pressemitteilungen und Webtexten schreiben, über Proviantaufstockung bis hin zur Großsegelreperatur reichte, fanden wir noch Zeit mit einer kleinen Gruppe von Buckelwalen zu schwimmen und den auf den Bermudas ansässigen Filmemacher und Meeresbiologen Choy Aming zu interviewen. Auch wechselte unser Filmteam. Im Austausch für Greg und Pierre kam Doro, eine Dokumentarfilmerin aus München, mit an Bord. Zwei Stunden nachdem sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fuß auf ein Segelboot gesetzt hatte, machten wir uns auf, den Atlantik zu überqueren. Die anstrengendste Etappe unserer Reise!

_BO_8190Während der 15-tägigen Reise in Richtung Azoren, zerfetzte es uns bei 45 Knoten Sturm das Code 0 Segel, das Hauptsegel wurde beschädigt und unsere Hilfsmotoren fielen aus. Seekrankheit, andauernde Müdigkeit aufgrund des abwechselnden Schichtdienstes und die Eintönigkeit des weiten Horizonts, zerrten an unseren Nerven. Auch die Probenentnahme gestaltete sich teilweise sehr schwierig, da tausende Portugiesische Galeeren am Boot vorbeizogen und im Planktonnetz landeten. Erschreckenderweise war jeder unsere Planktonproben voller Mikroplastik und das hunderte von Kilometern vom Festland entfernt, weitab von jeglicher Zivilisation. Dennoch, Wal- und Delfinsichtungen sowie sternenklare Nächte machten diesen Streckenabschnitt zu etwas ganz Besonderem.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ohne eine einzige Abwechslung am Horizont erreichten wir endlich die Azoren. Nach den619A3708 eher sensorisch armen Wochen auf dem Atlantik, hießen wir selbst das Summen einer Fliege willkommen und erfreuten uns an dem Gewusel in Ponta Delgada. Adrian, unser Plastikexperte und Skipper musste aufgrund beruflicher Verpflichtungen von Bord und wurde durch Felix, einen erfahrenen Weltumsegler ersetzt. Immer noch erschöpft, machten wir uns nach drei Tagen auf, den restlichen Atlantik in Richtung Tarifa zu überqueren. Starker Wind und hohe Wellen ließen uns das ein oder andere Mal unser Essen wieder durch den Kopf gehen. Arbeiten am Computer, Essen kochen und die tägliche Hygiene wurden zur Herausforderung. Nach fünf Tagen hatte Neptun dann endlich Erbarmen mit uns, so dass wir uns im spiegelglatten Meer bei einem Bad entspannen konnten. Angelockt durch den Lärm den wir im Wasser verursachten, kam eine Gruppe neugieriger Grindwale mit Jungtieren zusammen mit einigen Delphinen ans Boot und begleiteten uns für ca. 20 Minuten.

In Tarifa angekommen, erwarteten uns vermüllte Strände, die wir zusammen mit lokalen Surfern bei einem Beach Clean-up säuberten. Kaum an Land, ging es auch schon wieder weiter in Richtung Marseille, wo wir nach einer Woche auf spiegelglatter, windstiller See, einliefen. 72 Tage, 5290 Seemeilen und 6 Länder später, findet die Aquapower Expedition, gesponsert von Biotherm Homme und Mares, am 8. Juni 2015, dem Tag des Meeres, in Marseille ihr Ende.

Es war eine einmalige ErfahrungAquapower_Expedition_c_Brecheis-8076(1), die wir alle niemals vergessen werden und wir sind zuversichtlich mit unserer Expedition das Bewusstsein zum Schutz unserer Ozeane bei vielen Menschen geschärft zu haben.

Ausführlichere Reiseberichte, Videoepisoden, Bilder, wissenschaftliche Hintergründe und die Ergebnisse der Plastikproben-Entnahme findet ihr auf unser Website www.aquapower-expedition und auf unserer Facebook Seite.

Die TV-Dokumentation wird spätestens in einem Jahr zu sehen sein; Updates folgen.

 

 

 

 

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