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Roco Croco

Roco Croco

Man muss schon total bescheuert sein, wenn man freiwillig mit einem Salzwasserkrokodil ins Wasser steigt, ohne ein Gitter oder zumindest eine Plexiglasplatte zwischen sich und dem Tier. Na, aber was tut man nicht alles für ein gutes Foto!

Wir haben in den letzten Jahren viel über die Raubtiere im Meer gelernt und lernen noch. Haitauchen ohne Käfig ist inzwischen gang und gäbe. Aber mit einer riesigen Urzeitechse ohne Schutz im Wasser verweilen? Zu oft lesen wir blutige Schlagzeilen in der Bild oder im Netz: „Krokodil packt Schwimmer und frisst ihn auf“, „Mann von Krokodil ins Wasser gezerrt und getötet“. Ja, Krokodile sind Fleischfresser und machen keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Salzwasserkrokodile lieben Fisch, aber denn zu erbeuten fällt ihnen nicht so leicht. Anders als im Brackwasser, wo die Sicht gen Null ist, sind die Sichtverhältnisse im Meer meist recht gut. Damit sehen die Echsen zwar ihre Beute schon von weitem, aber auch sie werden gesehen. Deshalb lauern sie oft stundenlang ruhig verharrend in einer Position, als wären sie ein Stück Holz. Ist eine vermeintliche Beute in greifbarer Nähe, packen sie blitzschnell zu. Nicht gut für uns Menschen. Wir sind garantiert langsamer als diese kraftvollen Tiere.

Inzwischen gibt es immer Plätze auf der Welt, wo verrückte Leute mit genau diesen Tieren ins Wasser gehen, um ihnen hautnah zu begegnen. Gemeinsam mit ein paar Gleichgesinnten packe ich meine Kamera und mache mich auf den Weg nach Mexiko, um herauszufinden, wie es sich anfühlt, diesen Urzeitechsen gegenüber zu stehen. Nach der Ankunft in Cancun steht uns noch ein langer Weg nach Süden bevor. Xcalak heißt der kleine Küstenort direkt an der Grenze zu Belize. Gerade mal 9 Kilometer sind es noch zum Nachbarland. Touristisch ist der Ort gerade am Anfang, denn nur wenige Backpacker und eben Taucher verirren sich hierher. Die Regierung hat hier ein kleines Riff-Meeresschutzgebiet eingerichtet. Das hat sich positiv auf die Unterwasserwelt ausgewirkt. Direkt vor der Basis gibt es einen Kanal im Riff, wo sich täglich tagsüber hunderte Tarpune treffen. Das sind riesige silbrige Knochenfische, die bis zu zwei Meter lang werden. Sie sehen bedrohlich aus, sind aber für den Menschen absolut harmlos. Allerdings mächtig beeindruckend, wenn man einem riesigen Schwarm von mehreren hundert Tieren gegenübersteht.

Der Höhepunkt der Region ist jedoch das Biosphärenreservat der Banco Chinchorro. Das Riffatoll liegt zirka 35 Kilometer vor der südlichen Küste Yukatans und ist ein flaches Ringatoll mit 40 Kilometer Länge und 16 Kilometern Breite. Wir fahren von Xcalak mit einem kleinen Motorboot gut zwei Stunden dorthin, um den dort lebenden Krokodilen zu begegnen. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass man dort mit diesen Tieren ins Wasser kann? Ich frage dazu Javier. Er ist Besitzer der Basis und hat den Spot entdeckt: „Wie ist es denn dazu gekommen, dass ihr dort das Krokodiltauchen anbietet“. „Auf der Banco Chinchorro sind schon sehr lange Fischer, die dort Stelzenhütten direkt in einer Mangrovenlagune erbaut haben. Jeden Tag nach dem sie vom Fischen zurück waren, haben sie die Fische ausgenommen und den Rest einfach ins Meer geworfen. Schon nach kurzer Zeit haben sich die dort in den Mangroven lebenden Krokodile sich bis zu den Hütten getraut und warten nun täglich dort, wenn sie ein Boot kommen hören. Spitzkrokodile leben überall an den Küsten Mittelamerikas und sind nicht zu verwechseln mit den deutlich aggressiveren Alligatoren aus Florida. Wir haben dann von den Fischern davon gehört und es einfach mal versucht, den Tieren auch im Wasser zu begegnen.“ Er grinst, denn damit war er einer der Ersten auf der Welt, der Begegnungen mit Krokodilen kommerziell angeboten hat. Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt bringt er Gäste hierher und es ist noch nie etwas passiert. Die Krokodile sind auf die Fische fixiert und interessieren sich nur wenig für die Menschen, die vor ihnen stehen, um sie zu beobachten und zu fotografieren.

Vor der Ankunft an der Fischerhütte, wird erst noch ein Tauchgang am nahegelegenen Riff unternommen. Wir benötigen „Futter“ für die Tiere. Unser „Croco-Guide ist Mary, sie kommt ursprünglich aus Deutschland, ist aber der Kälte dort entflohen. Jetzt guided sie uns bei den Krokodilen, aber vorher muss sie noch ein paar Rotfeuerfische fangen. Rotfeuerfische sind in der Karibik Aliens. Sie wurden von Menschen eingeschleppt und fressen nun seit Jahren die Jungfische im Riff weg. Ohne natürlichen Feind haben sie sich explosionsartig vermehrt und werden nun überall von Tauchern harpuniert. Hier macht es sogar Sinn, denn die Fische sind für die Krokodile ein leckerer Happen, denn sie gerne fressen. So geht es nach unserem Einzug in die „Villa Chinchorro“ erst mal ins Wasser, um unsere neuen „Freunde“ kennen zu lernen. Mary geht als erstes, denn „Toothy“ wartet schon. Das Krokodil hat seinen Namen bekommen, da die vorderen Zähne wie gekreuzte Schwerter übereinander stehen. Mary hat nur eine Stange mit dabei. Ansonsten einen Neoprenshorty, eine Maske und einen Schnorchel. Mutig finde ich! Noch bin ich nicht infiziert vom Virus „Crocomani“! Was aber nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt. Gerade mal 30 Minuten mit den Tieren im Wasser dauert es, da hat es auch mich erwischt. Toothy bewegt sich super langsam und scheint uns immer zu beobachten ohne den Rotfeuerfisch über sich aus dem Auge zu verlieren. Oben am Boot steht Ramires, unser Kapitän und wirft ihm immer wieder den „Köder“ vor die Nase, damit das Tier sich auch mal bewegt. Ist kein Köder auf der Wasseroberfläche, bleiben die Tiere einfach ruhig im Wasser liegen. Minuten lang oder länger. Nur zum Atmen muss das Reptil gelegentlich an die Oberfläche. Bis zu einer Stunde können sie die Luft anhalten. Das funktioniert nur, da Krokodile ihren Herzschlag fast auf null senken können

So manch ein Herzschlag geht nach oben, wenn er die Unterkunft zum ersten Mal sieht, in der wir für die kommenden drei Tage wohnen dürfen. Ein großer Raum mit Hängematten dient für bis zu sechs Personen als Schlafstätte. Bei mehr Gästen wird geknobelt wer draußen schlafen darf. Etwas windiger, wenn auch mit Dach überm Kopf. Die Bad- und Wellnessanlage ist ein kleiner Raum mit zwei Sitzgelegenheiten. Eine für das kleine „Geschäft“ mit direktem Blick aufs darunterliegende Meer, eine für die „trockene“ Angelegenheit. Zimperlich darf man hier nicht sein, doch das Erlebnis ist einmalig. Schon nach kurzer Zeit sind wir „angekommen“ und genießen die „Einfachheit“ und die unglaublich schöne Stimmung hier draußen. Kein Mobiltelefon, kein Internet und keine mediale Berieselung. Einfach nur den Moment wahrnehmen und sich selbst und seine Mitreisenden erleben. Back to the Roots!

 

Sehenswerte Cenoten:

Dos Ojes. Hierbei handelt es sich gleich um ein ganzes Höhlensystem mit über 82 Kilometern Länge. Der Haupteinstieg gehört zu den beliebtesten, aber auch sehenswerten Cenoten. Top-Tauchplatz.

The Pit. Die Cenote liegt mitten im Urwald und wurde wie so viele nur durch Zufall gefunden. Es gibt nur ein Loch im Boden, das jedoch über 40 Meter tief ist. Die eingestürzte Höhlendecke bildet am Grund einen Berg, auf dem die Reste eines Baumes liegen. In der Mittagszeit fällt ein Lichtstrahl wie von einem Laser in die Tiefe. Top-Tauchplatz.

Taj Mahal. Ein Traum der Lichtspiele. Nicht ganz so frequentiert und doch sehr wohl bekannt. Dennoch eine der schönsten Höhlen um Lichtspiele zu erleben. Top-Tauchplatz

Nicte-Ha. Eine Höhle die Sternförmig um eine traumhaft schöne Lagune angeordnet ist. Die Gänge sind nicht tief und die Lagune voll mit Seerosen und kleinen Fischen. Auch Schnappschildkröten leben hier.

Gran Cenote. Eine Cenote mit unglaublich vielen Stalaktiten und Stalagmiten. Sehr schöne Lichtspiele. Top-Tauchplatz.

INFOTEIL Yukatan

 

Tauchbasis:

XTC Dive Centre, Xcalak, Yucatan, Mexico, https://www.xtcdivecenter.com/

 

Veranstalter (Unterstützer der Reise)

Extratour Tauchreisen

Termin: Termin: 29.06. – 13.07.2019

Alle Transfers vor Ort, privater Guide, 1 Nacht in Doppelzimmern (2 Apartments mit je 2 Schlafzimmern) in Akumal, Frühstück, 5 Nächte Doppelzimmer im Flying Cloud Hotel in Xcalak, Frühstück, 3 Tauchgänge inkl. Flaschen, Blei, Boot im Xcalak National Marine Park, während dieser Zeit 2 Übernachtungen in einer einfachen Fischerhütte in einem Raum (in Hängematten) mit Vollpension im Banco Chinchorro Biosphärenreservat (eingeschränkte Frischwasserversorgung), 3 Tage Aufspüren und Schnorcheln mit Krokodilen, 3 Tauchgänge Banco Chinchorro, 3 Nächte im Doppelzimmer (2 Apartments mit je 2 Schlafzimmern) in Akumal, Frühstück, 6 Tauchgänge in den Cenoten inkl. Flaschen, Blei, Guide, Eintrittsgebühren Cenoten, 3 Nächte im Hotel Aloft in Doppelzimmern in Cancun, Frühstück, 2 Ausfahrten zum Aufspüren von Walhaien (Schnorcheltour), Van Mietwagen für die Gruppe mit Fahrer während der letzten Tage in Akumal und Cancun.

Reisepreis pro Person im Doppelzimmer: EUR 4.550,-
zzgl. Flüge (Flüge mit Condor liegen bei pro Person ab ca. 1.200,- EUR). Die Flüge sind mit Condor vorgesehen: Frankfurt – Cancun – Frankfurt!

 

Autor: Gerald Nowak

www.Gerald-Nowak.de

www.cr-photo.de

Tauchtrip Mexiko 2017

Tauchtrip Mexiko 2017

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Tauchtrip Mexiko 2017

Krokodiltauchen in Mexiko, Banco Chinchorro

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Tauchtrip Mexiko 2017

Tauchtrip Mexiko 2017

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Tauchtrip Mexiko 2017

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

Tauchtrip Mexiko 2017

Krokodiltauchen Mexiko

Krokodiltauchen Mexiko, Banco Chinchorro

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