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Serie Vereisung: Teil 2 Normen und Standards

Serie Vereisung: Teil 2 Normen und Standards

Heute wollen wir uns dem Dschungel aus Normen und Richtlinien widmen. Auf das Wesentliche reduziert, haben wir es bei Atemreglern mit der Richtlinie 89/686/EWG und der DIN EN 250 zu tun.

Atemregler  gelten in der EU als Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Gemäß Richtlinie 89/686/EWG müssen hierzu alle Atemregler u.A. vor der Inverkehrbringung (Verkauf) durch den Hersteller nach bestimmten Vorgaben geprüft werden (Artikel 9, (4) a) oder b)). In der Europäischen Norm 250 werden neben den Komponenten auch die Leistungsanforderungen an autonome Leichttauchgeräte definiert. Die harmonisierte Norm bildet die Grundlage für die Überprüfung, es handelt sich dabei allerdings nicht um ein Gesetz.

Häufig werden in diesem Kontext noch die Navy Standards genannt. Dabei handelt es sich weder um eine Norm, noch eine Richtlinie, noch ein Gesetz. Die Navy Standards sind eine Art  Kriterienkatalog aus der  Beschaffung der US Navy. Darin werden navyspezifische Anforderungen aufgeführt, die dem militärischen Einsatz Rechnung tragen und damit i.d.R. deutlich fordernder sind, als es die „normalen“ Anforderungen für den zivilen Einsatz verlangen. Nebenbei sei angemerkt, dass ein Produkt nur den Namenszusatz „Navy“ enthalten darf, wenn dies von der US-Navy offiziell erlaubt wird.

Genug der Theorie, widmen wir uns nun konkret den Anforderungen

Das Testverfahren nach DIN EN 250 sieht eine Prüfung bei einem Umgebungsdruck von 6 bar, einem Atemminutenvolumen von 62,5l / Minute und einer Testdauer von 5 Minuten vor. Bei der Überprüfung der Kaltwassertauglichkeit beträgt die Wassertemperatur 4°C.  Dabei dürfen gewisse Werte hinsichtlich der Atemarbeit  und Ein- und Ausatemdrücke nicht überschritten werden. Die Überprüfung findet nur in der Prüfkammer statt. Das Bild zeigt die Prüfkammer, in die der zu prüfende Atemregler eingebracht wird. Im zweiten Bild ist die Messeinrichtung zu sehen, über die der Prüfablauf gesteuert und dokumentiert wird.

ANSTI Prüfanlage Mares Rapallo

Bei den bereits angesprochenen Navy Standards ist das Verfahren deutlich strenger. Der Umgebungsdruck beträgt 7 bar (=60m), der Test dauert 60 Minuten und die Wassertemperatur liegt nahe 0°C. Auch die Atemarbeit sowie die maximalen Ein- und Ausatemdrücke sind verschärft. Zusätzlich werden die Regler auf -17°C vorgekühlt. Des Weiteren findet eine praktische Prüfung unter den genannten Extrembedingungen statt, sprich die Regler werden getaucht.

ANSTI Prüfanlage Mares Rapallo

Ein Vergleich der Testverfahren zeigt, dass es sich bei den Anforderungen der DIN EN 250 also eher um Mindestanforderungen handelt, die teilweise mit der Praxis relativ wenig zu tun haben. Damit erklärt sich auch, warum ein als kaltwassertauglich bezeichneter Atemregler, trotzdem im Kaltwasser vereisen kann. Die wenigsten Tauchgänge dauern nur 5 Minuten …

Ein wichtiges Thema der eingangs beschriebenen Richtlinie hinsichtlich der  Baumusterprüfung möchte ich noch ansprechen: Die Prüfung der ersten und zweiten Stufe findet immer in Kombination statt. Daher dürfen auch nur die geprüften Komponenten miteinander verwendet werden. Die Automaten der verschiedenen Hersteller sind herstellerspezifisch eingestellt (z.B. Mitteldruck / Ventilsitze usw.)  und beinhalten u.U. Patente, die bei Verwendung nicht geprüfter Komponenten möglicherweise nicht mehr (richtig bzw. zuverlässig) funktionieren. Daher sollte auf jeden Fall davon abgesehen werden, 1. und 2. Stufen unterschiedlicher Hersteller zu kombinieren. Neben dem funktionellen Aspekt spielen hier auch noch rechtliche  Konsequenzen (Haftung und Versicherung) eine Rolle.

Im kommenden Beitrag werden wir uns den technische Aspekten widmen, die Einfluss auf die Anfälligkeit zur Vereisung haben und welche Lösungsansätze es hierzu gibt.

Wie immer freuen wir uns über Eure Kommentare und Anregungen.

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4 Kommentare to “Serie Vereisung: Teil 2 Normen und Standards”

  1. Dierk Junge 3. August 2013 - Antworten

    Danke für die Info, ist bekannt. Nicht bekannt bzw.geht hier nicht hervor, ob die Luft beim Atemminutenvolumen wie temperiert ist!?

  2. admin 5. August 2013 - Antworten

    Guten Morgen Dierk,

    allgemein muss die Raumtemperatur 24°C +/- 8° bei 50% relative Feuchtigkeit betragen. Für die Atemluft gilt die EN12021. Die Ausatemluft wird auf 28°C +/- 2° erwärmt und muss 90% relative Luftfeuchtigkeit aufweisen. Der Regler wird (zumindest beim Kaltwassertest) 10 Minuten lang im Wasser vorgekühlt.

    Viele Grüße

    Marco

  3. Dierk 5. August 2013 - Antworten

    Danke Marco für die prompte Antwort! Wie verhält es sich bei dem Navytest?

    Grüße
    Dierk

  4. admin 8. August 2013 - Antworten

    Hallo Dierk,
    jetzt hat es etwas länger gedauert. Bei dem Navytest wird eine Formel zur Berechnung der Lufttemperatur am Mundstück genutzt. Die Ausatemluft muss 100% Feuchtigkeit aufweisen.

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