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Tauchen – ein Privileg!

Ich denke ja, dass die Tauchkarriere der meisten von uns mit einem Mund voller Kartoffelchips begann. Unsere Nasen klebten an der Mattscheibe während wir hörbar einatmeten – die Luft anhielten und recht geräuschvoll wieder ausatmeten.

peter_little03Das Fenster zu den Ozeanen zeigte damals nur Bilder in schwarz-weiß und hatte keine Fernbedienung. Naja, für die aus meinem Semester jedenfalls.

Tauchen war gefährlich und wir wussten nicht viel über das Leben in den Ozeanen.

Noch immer bergen sie unzählige Geheimnisse. Doch haben wir auch einiges dazugelernt  in den letzten Jahrzehnten. Man hat inzwischen nicht nur das Farbfernehen und die Fernbedienung entdeckt! Wir wissen heute auch, dass Haie  keine Menschenfresser sind und  nicht alle Delfine Flipper heißen.

Diese Erkenntnisse haben wir nicht nur der Wissenschaft zu verdanken, sondern eben und gerade auch,weil wir selber die Nase, bzw. die Augen hinter einer Maske in die Fluten tauchen können.Wir haben heute die Möglichkeit selbst nachzuschauen –  wir machen unsere eigenen Erfahrungen – „first hand experience“.

Das Privileg zu tauchen wurde uns geschenkt, weil Pioniere wie Ludovicopeter_little02 Mares vor mehr als einem halben Jahrhundert begonnen haben Ausrüstung zu entwickeln, die dem menschlichen Körper hilft sich an das nasse Element anzupassen und besser in dieser uns so fremden Umgebung zu funktionieren.

Mehr als 60 Jahre sind in der Tat seitdem ins Land , bzw. ins Meer gegangen und auf technologischem Gebiet hat sich seit den alten Zeiten einiges getan. Kann sich  jemand von Euch noch daran erinnern wie es war ohne Tauchcomputer zu tauchen, dafür aber eigentlich immer in schlecht sitzenden, harten und wenig flexiblen Anzügen zu frieren?

Kurzum, aus dem kleinen Bullauge in die Ozeane wurde relativ schnell ein großes Fenster. Es dauerte nicht mehr lange bis Sporttaucher ihre eigenen Bilder und Filme mit an die Oberfläche brachten. Heutzutage teilt fast jeder seine eigenen Taucherfahrungen über „soziale Netzwerke“ mit dem Rest der Welt. Deine  Unterwassereindrücke von den Malediven landen mit nur einem Klick direkt vor meiner und tausend anderer Nasen. Ist das nicht verrückt, wahnsinnig und genial?

Millionen  Augen sehen, speichern und transferieren Bilder und Informationen unaufhörlich hinaus in die Welt – selbst aus den entlegensten  Regionen dieses Planeten.

Aber wie immer hat auch diese Medaille zwei Seiten.

squid002bkopieEinige denken vielleicht an die „guten alten Zeiten“ zurück, als wir unsere Geschichten von großen und kleinen Fischen bei einem Dekobier mit unseren Tauchfreunden am Tresen einer Strandbar teilten. Heute sind die Fische kleiner und das Bier wird warm wenn alle die Köpfe über dem Tisch zusammenstecken und versuchen etwas auf den Minidisplays der Kameras zu erkennen. „War das ein Hai, ein Delfin oder nur der Dive Guide …?“

Wahrscheinlich war es der Dive Guide, der verzweifelt versuchte  auf einen Hai hinzuweisen während die ganze Tauchgruppe die Schildkröte umzingelte und in einem Gewitter aus Blitzlichtern ersäufte. Wenn alle Aufnahmen zusammengeklebt werden ergibt es wenigstens eine 360° Aufnahme von dem Reptil – mit ’nem winzigen Dive Guide und dem Hai im Hintergrund !

Mal unter uns und ganz ehrlich, es kann schon ganz schön frustrierend sein wenn man sich vorsichtig an ein cuttle004 KopieTier heranpirscht – den Atem anhält und dann, …dann schiebt sich so eine kleine Actioncam mit einem Taucher hintendran ins Bild. Der dreht sich dann mit aufgeregten Blick um und  zeigt auf den Spot, wo gerade eben noch der Oktopus posierte. Zu allem Überfluss gibt er dann auch noch das „OK“ Zeichen, dass man nur mit einem etwas aufgesetzt wirkenden Lächeln erwidern kann. Ganz tief im Inneren denkt ein kleiner Teufel allerdings an eine ganz andere Bedeutung dieses Zeichens!

Wer meinen letzten Blog gelesen hat, der weiß, dass ich auch im Freitauchen ausgebildet bin. In  Momenten wie diesen greife ich dann gern auf ein paar Übungen aus dem Training zurück. „Atme tief ein und atme den Ärger langsam wieder aus – relax! Oben auf dem Boot kann ich ja  darauf hinweisen was man so alles in einen SSI Foto – und/oder Videokurs lernen kann. Da geht es nämlich nicht nur darum etwas über die Handhabung der  Kamera zu lernen, sondern eben auch darum wie man sich den Tieren unter Wasser richtig nähert. Wie man sich als Gast in der so fragilen Welt, in der wir das Privileg haben eintauchen zu dürfen,verhält. Davon profitiert nicht nur die Natur, sondern auch die Qualität unserer Bilder enorm!

cinem001hdEs ist ja nun mal auch so, dass man nicht einmal ein schlechtes Bild von dem Tier bekommt, dass man gerade verjagt hat.  Ein Blitz oder eine starke Videolampe kann nicht nur die Bildqualität verbessern, sondern mal schnell das kleine Schneckchen braten.

Wir, und ich nehme mich da nicht aus, sind manchmal zu erpicht darauf „DAS Bild“ zu bekommen. Wir vergessen schnell welches Privileg wir genießen sicher und bequem durch die Unterwasserwelt streifen zu können. Wir haben all die Ausrüstung und Technologie zu unserer Verfügung, die das möglich macht. Hin und wieder – oder am besten vor jedem Tauchgang sollten wir uns daran erinnern, dass mit dem Privileg auch Verantwortung übertragen wird. Die beste Ausrüstung ist immer nur so gut wie die Person die es nutzt.

Lasst uns das nicht als Bürde ansehen, sondern als eine Chance mit gutem Beispiel voran zu gehen und ein Botschafter für die Ozeane11245516_1091140784235911_4720142505165776352_o und den Planeten zu sein. Mit einer Extraportion Respekt haben dann letztendlich alle etwas gewonnen.

Ok, liebe Freunde,  das war’s mal wieder für heute, …bis bald mal wieder von irgendwo auf dem Blauen Planeten. In der Zwischenzeit, passt gut auf ihn auf, es ist der einzige den wir haben!

Happy Bubbles und Happy NO Bubbles.

Euer Peter – the Vidiot ;O)

  1. Mein heutiges Video für Euch ist: „ Always look on the bright side of Life“ mit dem berühmten Song von Eric Idle und Monty Python aus dem Film „Das Leben des Brian“ und einigen Beispielen für gutes und weniger gutes Verhalten.

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